Montag, 13. November 2017

Die Shannara-Chroniken - Elfensteine - Terry Brooks

Am Liebsten würde ich ja vor Scham im Boden versinken, weil ich es ernsthaft seit Juni nicht geschafft habe, diese Review (fertig) zu tippen. Den ersten Teil "Das Schwert der Elfen" hatte ich ja schon vor einem Jahr gelesen und obwohl die beiden Bücher nur lose miteinander zusammenhängen, hatte ich die relevanten Aspekte aus dem ersten Teil noch immer gut im Kopf. Ich hatte zu Beginn von "Elfensteine" ein paar Bedenken, da ich ja die TV-Serie nicht gar so grandios fand - nur war ich mir nicht sicher, ob ich mir wünschen sollte, dass das Buch ganz anders und besser sein sollte oder ob mich das nur noch mehr verwirren würde...
Wer mit der Schreibe von Terry Brooks gut kann (man muss einfach mit diesen alten fantasytypischen Längen zurecht kommen), wird sich schnell in die "Elfensteine" einfinden - und wer die Serie im Fernsehen gesehen hat, wird die eine oder andere Überraschung erleben. Während ich die Verfilmung extrem flach, stereotyp und vorhersehbar fand, kann das Buch trotz der gleichen Charaktere und teils auch gleicher Handlung (ist ja auch logisch - die Serie orientiert sich ja an dem Buch) deutlich mehr überzeugen. Zwar muss man an der einen oder anderen Stelle umdenken, da man von der Serie anderes gewohnt ist, aber das wirkt sich aus meiner Sicht ausschließlich positiv auf den Verlauf der Geschichte sowie die Charaktergestaltung aus.

Auch wenn das Cover die Amberlee aus der Serie zeigt - der Charakter ist grundlegend anders gestaltet und das fängt nicht nur bei der Tatsache an, dass die Auserwählten sich kein dämliches Rennen zum Baum liefern müssen, sondern vom Ellcrys selbst erwählt werden. Die in der Serie platte und stereotype Prinzessin zeigt sich hier als deutlich tiefgründiger, gebeutelter, zerrissener und wirkt auf mich viel sympathischer als ich sie im Gedächtnis hatte. Das gilt auch für ihre "Widersacherin", die Zigeunerin Eretria, die ich in der Serie kaum nachvollziehbar, hinterhältig und insgesamt unstimmig fand und die im Buch durch ihre Vorgeschichte auf einmal eine Tiefe und Bedeutsamkeit bekommt, die ich dem Charakter gar nicht zugetraut hätte. Statt platter Vorurteile hat Brooks hier wirklich wohlüberlegte weibliche Protagonistinnen aufgebaut, die trotz widriger Umstände eine Entwicklung nehmen, die ihre Stärke nachvollziehbar und überzeugend macht.

Am nähsten an der Serie dürfte Will gestaltet sein, wobei ich auch den "Wonderboy" im Buch stimmiger und echter finde. Dass eine Fernsehserie deutlich knapper gestaltet sein muss als ihre literarische Grundlage ist klar, aber es ist doch schade, wenn dabei so vieles verloren geht - und ich spreche hier nicht nur von epischen Beschreibungen von Schlachten oder Landschaften, sondern gerade von Beziehungsgeflechten, Dramatik, Tragik, Abgründen und Hoffnung. Das sind tatsächlich die Dinge, die "Elfensteine" mit einer gewissen Leichtigkeit transportieren kann, ohne die Bedeutsamkeit der Veränderungen und Verluste aus den Augen zu lassen. Das Buch liest sich angenehm leicht weg, auch wenn es hier und da ein paar sprachliche Komplexitäten gibt - dennoch gelingt es unglaublich gut, den Leser mitzunehmen und sowohl in Hoffnung als auch in Leid mitfühlen zu lassen, was die Charaktere empfinden. Das gilt eben nicht nur für die Protagonisten, sondern auch für Nebenfiguren, die in der Serie teils nicht in dem Ausmaß dargestellt werden (z.B. auch Amberlees Onkel).

Sicherlich braucht man ein gewisses Faible für fantastische Geschichten, um auch diesen Wälzer mit Freude zu lesen, allerdings macht es einem die Story auch sehr leicht, sich einzufühlen und immer wieder den Einstieg auch in komplexere Situationen zu finden. An der einen oder anderen Stelle möchte man den Charakteren ins Gewissen reden - an anderen gar nicht weiterlesen, weil man genau weiß, welches Unheil ihnen droht. Für mich macht das durchaus ein gutes Buch aus und ich bin schon gespannt auf die weiteren Teile, die im nächsten Jahr kommen sollen...

"Die Shannara Chroniken - Elfensteine" wurde mir freundlicherweise von blanvalet zur Verfügung gestellt.

1 Kommentar:

  1. Die Bücher tauchen ja immer wieder überall auf und hab ich es immer noch nicht geschafft, mal reinzulesen ^^ Meistens ist es aber so, umso öfter ich es vor die Nase gehalten kriege, umso eher lese ich es nicht. :P

    LG Lotte

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